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Prunksaal Natinalbibliothek Wien

PRUNKSAAL

Über die allmähliche Verfertigung der Gebäude beim Hören I

Standort

Österreichische

 Nationalbibliothek

Art

Klang-Installation

Jahr

05|1996 und 10|1998

Equipment

4 CDs, 4 CD Player,

4 Verstärker,

10 Lautsprecher

Organisator

ÖNB, Stadt Wien

Ausführung

Josef Reiter

In seinem "Entwurf einer historischen Architectur" sucht Johann Bernhard Fischer von Erlach, nach dessen Plänen 1723 bis 1726 der Prunksaal der Hofbibliothek erbaut worden ist, nach den "allgemeinen GrundSätzen der BauKunst". Was der Baumeister des barocken Österreich für die Architektur bewerkstelligt, beschreibt Johann Joseph Fux, der Hofkapellmeister Kaiser Karls VI. in seinem musiktheoretischen Werk "Gradus ad Parnassum" für die Musik, wenn er versucht die Regeln der Komposition aus den musikalischen Proportionen abzuleiten, die den Intervallverhältnissen zugrundeliegen.
Die Raumwirkung des Prunksaals gründet auf einfachsten Zahlenverhältnissen, die in musikalische Verhältnisse übersetzt die Intervalle Oktav, Quint, Quart und große Sext ergeben. Als Klangmaterial dienen aufgenommene Einzeltöne einer Posaune, synthetische Posaunenklänge und Sinustöne. Die Raumverhältnisse werden in exakte Tonhöhen umgerechnet und auch zur Strukturierung der Tondauern verwendet.
Die barocke Festlichkeit wird in ein ruhendes und gleichzeitig sich ständig veränderndes Klangkontinuum transformiert, der Prunksaal zum Resonanzkörper seiner eigenen Musik.

Mathias Fuchs über Josef Reiter

 

Über die allmähliche Verfertigung der Gebäude beim Hören I

Die Vorstellung Gebäude mittels Klang vervollständigen zu können, ist eine synästhetische. Umgekehrt gingen die Gebrüder Gabrielli in ihren Kompositionen für San Marco vor: für die Gabriellis entstand im Spätbarock aus Architektur musikalische Struktur, für Reiter wird Klang zu Architektur. Die vier Posaunisten, die er zu einem elektronischen Soundtrack im Prunksaal einsetzt, beschreiben Raumlinien, die an den Achsen und Seitenräumen des Saales orientiert sind, diesen aber von einer statischen in eine dynamische Struktur verwandeln. Der Vorteil der Musik gegenüber der Architektur ist der einer Zeitkunst gegenüber einer Raumkunst. Mit diesem Vorteil ausgestattet, gelingt es Reiter tatsächlich Gebäude zu verfertigen, oder medientechnologisch zu animieren. Architekturanimation erweist sich durch die Erfahrung bewegter Klänge nicht länger als ein Privileg rechenintensiver 3-D-Programme, sondern als ein mögliches Feld kompositorischer Aktivität. Die klanglichen Prozesse der Reiterischen Kompostion entwickeln sich mit einer Geschwindigkeit, die dem Tempo einer historischen Bibliotheksumgebung angemessen ist. Die Kompostion bewegt sich "largo", man wird nie überrumpelt, sehr sanft an veränderte räumlich Dispositionen herangeführt. Wie beim Lesen in alten Folianten, liest man auch die Musik bedächtig, hat genug Freiraum, sich ablenken und verleiten zu lassen: zu Abbildungen, Materialqualitäten bei den Büchern, zur Beobachtung des Prunksaales, der Interpreten in der Musik. In gewisser Weise spielt Reiters Musik auf luxuriöse Art mit Zeitökonomie und gerafften Erwartungen. Die Klänge entreißen den Hörer nicht der Umgebung, in der sie sich entwickeln, vielmehr verfertigen sie die Umgebung tonal und zeitlich.

Mathias Fuchs

EIKON 18/19/20, S.188, 1996

Vier Posaunen!

Ein Ausschnitt aus der Live Soundinter-vention Aufführung in der Prunksaal Installation am 26.10.1998.

In einer langsamen Bewegung tauchen die vier Spieler aus den Ecken des Saales auf, umkreisen den Mittelpunkt und verschwinden wieder in der Installation.

Mit Andreas Eberle, Othmar Gaiswinkler, Bertl Mütter, Daniel Riegler (Posaunen)

Hans Petschar über Josef Reiter

Eine musikalische Intervention im Prunksaal der Österreichischen Nationalbibliothek 1996

"Was ist ein Klang?

Ein Klang ist eine Bewegung der Luft, sagt Aristoteles, sagt Mersenus, sagt Fux in der Übersetzung von Mizler.
Was aber, stellt sich Fux die Frage ist ein Ton?
"Ein Ton entstehet von einer zitternden Bewegung der Luft von gleicher Ausdehnung." 

Dies (die gleiche Ausdehnung und einerlei Größe) unterscheidet ihn vom Geräusch, wie schon die Alten wußten.

Wie kommt es aber, dass wir den Ton vernehmen?
Das geschieht ganz einfach und lässt sich in einem Satz sagen: ... "

Querschnitt Skizze Prunksaal Wien
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